Morgens einen Kaffee schnell während der Autofahrt in mich hinein geschüttet um pünktlich da zu sein. Den Tag völlig durch getaktet mit Gesprächen mit kranken, unmotivierten Menschen, die ich zu betreuen hatte. Visite, Ärzte, Bettenbelegung, Kostendruck, Abbrüche oft durch unser Gesundheitssystem bedingt, das bequeme Lücken hat. So sah mein Leben aus als Sozialpädagogin bis zum Jahr 2003. Irgendwann habe ich mich gefragt: „Was? Das soll es gewesen sein?“ Ich wollte Menschen helfen, sie begleiten und unterstützen und einen besseren Weg zu finden als den, den sie bisher gingen!
Ich habe dann einmal Resümee gezogen. SO wollte ich auf keinen Fall weiter machen!!
Als alleinerziehende Mama hatte ich eines NICHT, nämlich Zeit und auch genügend Geld!

Wenn ich mich heute so umsehe, bin ich nicht die Einzige, der es so ging.
Sind wir alle keine Organisationstalente oder steckt da auch ein gesellschaftliches Phänomen dahinter?
Wo ist diese ominöse Zeit hin, die niemand mehr hat, aber ALLE so dringend brauchen?

Daß wir unser ganzes Leben nach der Uhr ausrichten, ist eine vergleichsweise neue Entwicklung. In älteren Kulturen bestimmen der Lauf der Sonne und die Jahreszeiten das gemeinsame und individuelle Leben. Gearbeitet wurde, wenn die Sonne und die Natur es zugelassen haben.
Mit der Entwicklung der mechanischen Uhr und der Arbeitszeiterfassung per Stechuhr während der Industrialisierung änderte sich der Umgang mit der Zeit, der Tag wurde in einzelne, gleichwertige und messbare Stunden gegliedert mit dem Anschein, daß jede Stunde gleich viel wert sei. Zeit ist Geld, lautete nun das Credo.
Wir leben in einem kapitalistischen und leistungsorientierten Wirtschaftssystem. Unsere Arbeit beschleunigt sich und wir nehmen die Lösung Zeit ist Geld bereitwillig an. Viele Menschen richten sich ihr Leben im Job und in der Freizeit also an der Uhr aus und versuchen Zeit, wo immer möglich, einzusparen.
Das Diktat der Uhr geht aber nicht spurlos an uns vorbei. Eine große Zahl von Menschen klagt über Streß, Zeitdruck und Unsicherheit.
Auch ich war in diesen Strukturen gefangen. Ich habe meine Lebens-ZEIT gegen das Geld von einem Arbeitgeber getauscht.
Und ja, es hat mich Überwindung gekostet, zu erkennen, dass der Umgang mit Zeit ein veränderbares gesellschaftliches Konstrukt ist. JEDER von uns hat genauso viel Zeit, nämlich 24 Stunden am Tag.
Die Fragen die ich mir damals gestellt hatte waren folgende:
* was würde passieren, wenn ich diese 8 Std Arbeitszeit für meine Ziele, Wünsche und Träume nutze?
* könnte ich scheitern? ja, gewiß. Aber es erst gar nicht zu versuchen ließ mir keine Ruhe mehr!
Und das Abenteuer begann. Die Entscheidung für meinen Schritt in meine Selbständigkeit war gefallen!